Die Schultüte als Wecker
Wer einen echten Grund braucht, um morgens aus dem Bett zu kommen, sollte sich vielleicht nicht vom schnöden Piepen des Digitalweckers locken lassen. So zumindest hatte es sich ein ehemaliger Kommilitone gedacht. Um der puren Verzweiflung über die eigene Unfähigkeit zum Aufstehen Herr zu werden, baute er sich einen Wecker, der, wenn er funktionieren würde, garantiert zum Ziel führen sollte. Und wenn nicht!?…kommt einfach ein weiterer verschlafener Tag zu den bereits geleisteten Fehlstunden hinzu. Dazu suchte er sich altes Kinderspielzeug zusammen, aus dem er keinen Wecker, sondern eine Weckmaschine konstruierte.
Der Aufbau sah folgendes vor: In der Mitte des Raumes steht ein Tisch. Mit einer analogen Waage am Rand, sodass ein Arm über der Kante schwebte. An diesem wurde ein Handy mit einem Bindfaden befestigt, welches wiederum auf einem Lineal lag, dass über den Tisch hinausragte. Der andere Arm wurde leicht beschwert. Zu der gewünschten Weckzeit setzt der Vibrationsalarm des Handys ein, woraufhin es vom Lineal fiel und den Arm mit sich zog. Hätte er irgendwo noch unbemerkt eine Rutsche vom Spielplatz abmontieren können, ich glaube er hätte es gemacht und sie verbaut.
Der ursprüngliche Plan, eine Kerze als Auslöser zu verwenden, wurde hierbei verworfen, da er Bedenken hatte, dass wenn er durch die Weckmaschine nicht geweckt würde, er seinen eigenen Tod verschläft. Dann wäre er zwar so gestorben, wie er gelebt hat, würde aber immer noch nicht rechtzeitig bei der Vorlesung sein. Viscoschaummatratzen sind eben nicht aus Asbest.
Jedenfalls sprang, nachdem das Handy heruntergefallen war, der andere Arm in die Höhe, tippte an die Spitze einer fast waagerecht aufgehängten Schultüte, wodurch sich der Schwerpunkt zum offenen Ende hin verlagerte und Golfbälle und kleine, silberne Beads, die er seiner Schwester geklaut hatte, auf ein schräg aufgestelltes Aluminiumtablett ergoss. Dieses wiederum, war auf die Front der Stereoanlage ausgerichtet. Mit etwas Glück hatte er so nicht nur das Tablett zum scheppern gebracht, sondern auch das Frühstücksradio bei 95 DB eingeschaltet. Als ich an dem Tag in der Vorlesung saß, hätte ich ihn gerne gefragt, ob es denn funktioniert hat…
Toni am 18. April 2012 unter Allgemein